Frankreich einmal anders erleben: mit dem Hausboot über den Rhein-Marne-Kanal schippern

Hausboot Tour in Frankreich

https://www.misselliesreiseblog.com/2018/04/19/frankreich-einmal-anders-erleben-mit-dem-hausboot-%C3%BCber-den-rhein-marne-kanal-schippern/

Ein Männertraum geht in Erfüllung, als Kapitän ein großes Boot über Frankreichs Kanäle führen, viele Schleusen und eine Schiffshebeanlage bewältigen

Urlaubsvergnügen für die ganze Familie, das Hausboot tuckert, und langsam zieht die ruhige Landschaft vorbei

Ferien auf dem Hausboot haben wir schon öfters gemacht, mit Freunden in Holland über die unendlichen Wasserstraßen die kreuz und quer durch die Niederlande führen, mal mit Freunden über den Kanal du Nivernais in Frankreich und diese Tour nun mit der Familie am Rhein-Marne Kanal. Das Boot lag in Niderviller einem kleinen Ort ca. 50 Kilometer von Straßburg entfernt. Wir machten die Fahrt dorthin schon zum Erlebnis, fuhren durch die deutsche Weinlandschaft in der Pfalz, bis zu unserem ersten großen Zwischenstop Speyer. Der gewaltige 1000 jährige Dom ist sehr beeindruckend, ein Bummel durch die Altstadt ist sehr empfehlenswert. Über Speyer berichte ich auf meinem Blog .

Der Dom zu Speyer, die Maximillianstraße, Speyers schöne Fußgängerzone und  der Domplatz

Am nächsten Tag fuhren wir weiter durch die fruchtbare blühende Landschaft  und die malerischen Dörfer des herrlichen Pfälzer Weinanbaugebiet bis nach Bergzabern, nach einem Rundgang durch das grenznahe Städtchen gab es den berühmten Pfälzer Saumagen mit Kraut in einem urigen Gasthaus, mir hat er sehr gut geschmeckt.

Bad Bergzabern an der südlichen Weinstraße hat eine neue Therme und ist als Heilbad anerkannt.

Wir haben uns fest vorgenommen auf einer unserer nächsten Reise die Pfälzer Landschaft ausgiebiger zu erkunden, hier gibt es wirklich schöne Orte, im milden Klima gedeihen neben dem Wein auch Feigen und die vielen traditionsreichen Dörfer sind wunderschön mit Blumen geschmückt.

Tabakfeld in Frankreich
Tabakfeld in Frankreich

Von Bad Bergzabern aus ist die Grenze zu Frankreich nicht mehr weit. Die Landschaft verändert sich, neben Wäldern, Wiesen und Weiden öffnen sich große  Getreide Mais-und Tabakfelder.

Das Elsass mit den reichen Gaben der Natur gesegnet, hat sehr schöne Fachwerk Dörfer und den Wettbewerb unser Dorf soll schöner werden kennt man auch.

Schauen Sie mal auf dem Haus unten links hat Familie Adebar ihr Nest gebaut, der Storch, ein Wahrzeichen der Region rund um Colmar und Straßburg.

 

Endlich haben wir unser vorläufiges Ziel erreicht, Niderviller, hier sollen wir das Schiff übernehmen.

Niderviller. Was mir an den französischen Städten und Dörfern so gefällt das sind die bepflanzten Verkehrsinseln, Blumenampeln, Brücken und Plätze. So fantasievoll und üppig würde ich mir das In Deutschland auch wünschen

Ah , die Marina von Niderviller, der kleine Hafen am Rhein-Marne Kanal, da liegt unser Boot!  wir sind richtig aufgeregt

Wir melden uns im Büro von Kühnle Tours, wir kriegen ausführlich das Boot erklärt, machen eine kleine  Probefahrt,

laden unsere Sachen ein und können kaum erwarten bis es los geht. In Holland und auf den französischen Kanälen ist kein Bootsführerschein erforderlich. Nach der Einweisung kriegen die ahnungslosen Touris so ein tonnenschweres Schiff anvertraut und dürfen dann beweisen, was sie in der kurzen Zeit gelernt haben. Alle Achtung für beide Seiten.

Wenn man ein PS starkes Auto gewohnt ist, fällt die Entschleunigung nicht ganz leicht, bis so ein Schiff mal gedreht ist und an der Kaimauer angelegt ist, fließen erst mal ein paar Schweißtropfen, man kann nicht einfach auf die Bremse treten, so ein Boot hat eine enorme Schubkraft daran muss man sich erst gewöhnen. Zum Glück hängen rundherum die Pfänder als Stoßdämpfer. Uff geschafft, angelegt. Der erste Abend auf dem Boot in einem französischen Dörflein. Nicht weit vom Schiff ein Restaurant, wie gut, ein kurzer Spaziergang, aber leider heute Ruhetag. Das nächste Gasthaus zu weit zum laufen. Da ist es natürlich fein, wenn man eine Küche an Bord hat, und die Hausfrau für solche Fälle vorgesorgt hat. Es liegen noch ein paar Schiffe hier, irgendwo wird gegrillt, Musik gemacht, gelacht und unter freiem Himmel gegessen. Glühwürmchen tanzen über dem Wasser, Grillen zirpen, Vögel schwirren über dem Wasser und fangen im Flug noch schnell ihr Abendessen, eine herrlich entspannte Abendstimmung liegt über dem Flüßchen.  Nach einem aufregenden ersten Tag schlüpfen alle in die Kojen. 

Herrlich, Frühstück im Sonnenschein auf dem Oberdeck, alles was man so braucht ist in der Küche vorhanden, nicht luxuriös aber gut ausgesucht. Der Kapitän kann es kaum erwarten bis es endlich weitergeht, heute stehen einige Schleusen auf dem Törn an, dieser Kanalabschnitt hat es in sich, 57 Schleusen und 2 Schiffstunnel. Wir haben uns diese Strecke gerade wegen diesen Herausforderungen ausgesucht, nur Kanäle schippern ohne Schleusen kann schnell langweilig werden. Wir haben uns für unseren 4 Tage Trip aber nur eine Teilstrecke von ca. 30 Kilometern vorgenommen. Der Rhein Marne Kanal ist über 290 km lang und verbindet den Rhein bei Straßburg mit dem Mosel Kanal bei Nancy, auf dieser Strecke müssen 267 Höhenmeter überwunden werden, das macht man mit Schleusen und einem sensationellen Schiffshebewerk. Davon später.

Die Mannschaft ist bereit
Die Mannschaft ist bereit

Auf unserem Boot gibt es 2 Steuerstände, einen mittschiffs in der Kabine und einen oben, ideal bei schönem Wetter. Man kann gemütlich zusammen auf dem Oberdeck sitzen und die Landschaft genießen, Weiden und lichte Wälder hier und da ein Dorf, von weitem eine Kirche, Jogger oder Radfahrer begleiten uns ein Stück, Angler holen das Abendessen aus dem Kanal, der Reiher bewacht die Szene. Geruhsam tuckert unser Schiff durch die Elsässer Gegend, bis der Tunnel kommt.

Diese Prüfung muss der Schiffsführer bestehen. Der erste Tunnel ist 480 Meter lang eine gemauerte dunkle Röhre, nicht viel breiter als das Schiff , es tropft von der Decke der Motor dröhnt laut im Echo, ziemlich unheimlich, aber es gibt kein zurück, man muss da durch. Nach bestimmt 10-15 Minuten Dunkelheit, Licht, aber nur auf 200 Meter, dann kommt der nächste Tunnel. Die Ampel ist rot. Wir müssen warten bis ein langes Ausflugsschiff aus der Röhre kommt, dann sind wir dran. 2130 Meter diesmal, das fühlt sich an wie stundenlang, das war nicht wirklich angenehm. Und in zwei Tagen müssen wir da wieder durch auf der Rückfahrt.... Aber der Käpt´n und sein 1. Offizier haben das bravourös gemeistert. Ich bin stolz auf sie.

Wenige Kilometer später das absolute Highlight der Tour: das Schiffshebewerk bei Arzviller, das müssen Sie sich auf dem nachfolgenden Video anschauen, das ist wirklich sensationell!

Bis zu 3 Schiffe fahren vom Kanal aus in einen riesigen wassergefüllten Trog, auf einem Schrägaufzug wird die 900 Tonnen schwere Last mit Hilfe von Gegengewichten nach unten abgelassen, die Tore gehen auf und 55 Meter tiefer schwimmt man auf dem Flüsschen Zorn weiter. Das war aufregend. Eine Menge Touristen standen staunend um diese Anlage herum, nur wir waren mittendrin. Der Schrägaufzug ersetzt 17 Schleusen und einen langen Umweg, die nötig waren um den Höhenunterschied zu bewältigen. Die Schiffshebeanlage wurde 1969 fertig gestellt, wenige Jahre später wurde der Frachtschiff Verkehr immer weniger und jetzt fahren fast nur noch Freizeitkapitäne auf dieser Strecke.          

Für den ersten Tag mußte die Mannschaft ganz schön was leisten. Hut ab, das haben die prima gemacht, es ist alles gut gegangen.

Der Kanal gönnt uns nur eine kurze Verschnaufpause, dann kommen die Schleusen.

Ich bin heilfroh, daß ich der Smutje bin, lieber koche ich Kartoffeln als das Schiff fest zu machen, Seilwinden drehen...

An diesem Abend haben wir in Lützelbourg übernachtet, ein nettes französisches Dorf. Nach einem kleinen Spaziergang fanden wir auch ein ganz  hübsches Restaurant. Die zweite Nacht am Fluß war wieder ruhig und entspannend.

Am nächsten Morgen hatten wir viele Schleusen auf dem Weg nach Saverne vor uns. Mit dem Auto sind es  nur 10 km  Entfernung, mit dem Schiff hin und zurück braucht man fast den ganzen Tag.

An der Strecke stehen noch die urigen Schleusenwärter Häuschen, die meisten sind bewohnt, Honig und selbstgemachte Marmeladen, Äpfel oder Pflaumen bieten sie den Schiffsausflüglern an. Die Schleusen bedient man heute selber, das geht halbautomatisch, an den Stationen sind Funkeinrichtungen, auf Knopfdruck geht das Tor zu, das Boot muß vertäut werden bis die Schleuse entweder leer oder wieder voll Wasser gelaufen ist, dann gehen die Tore auf und die gemächliche Fahrt geht weiter.

Die Schleuser nach getaner Arbeit.

Saverne in der Region Elsaß hat ca. 11.000 Einwohner in dem Städtchen mit schönen Fachwerkhäusern aus dem 17. Jahrhundert kann man bummeln gehen und ein bißchen französischen Flair genießen.

Der Palais Rohan 1790 erbaut,  glänzt mit der 140 Meter langen roten Sandstein Front, heute beherbergt er ein Museum

Leider hatten wir nicht allzuviel Zeit in Saverne, wir mußten für die Rückfahrt wieder die Schleusen einplanen.

Einen Zwischenstop legten wir noch bei einem Glasbläser ein, direkt am Kanal in einem Backsteinbau ist eine tolle Ausstellung ganz ausgefallener Arbeiten, die vor allen Dingen in Paris verkauft werden. Der gewölbte Spiegel, den der junge Mann in der Hand hält, hängt jetzt bei mir im Flur, so habe ich unsere erlebnisreiche Schiffstour  immer gegenwärtig wenn ich daran vorbei komme.

Unsere Fahrt mit dem Boot dauerte nur vier Tage, war aber sehr spannend und ereignisreich, wir mußten alle Schleusen noch einmal passieren, uns mit dem Schiffshebewerk wieder hochbeamen lassen, wieder durch die 2 Tunnel  fahren, und das Schiff haben wir heile wieder abgegeben, na ja ein Pfänder hat im Tunnel ein bißchen gelitten. Dieser Trip wird uns in guter Erinnerung bleiben viel zu tun, viel erlebt, mehr kann man in eine so kurze Zeit nicht reinpacken.

Voller guter Eindrücke setzten wir unsere Reise im Elsaß per Auto fort.

Straßburg, die 1000 jährige Kathedrale und die malerische Altstadt  die zum Unesco Weltkulturerbe gehören, war unser nächstes ganz besonderes Ziel. Darüber berichte ich ein andermal auf meinem Reise Blog.

Straßburgs Altstadt.

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Liebe Besucher, ich hoffe mein Bericht von unserer Hausboot Tour auf dem Rhein-Marne-Kanal hat Ihnen gefallen, wenn Sie noch mehr davon sehen möchten, schauen Sie sich das Video an.

Liebe Reisefreunde, ich würde mich freuen, wenn Sie mich auf einer meiner nächsten Garten- oder Städtereise wieder begleiten würden und ich Ihnen wieder viele Fotos von den Sehenswürdigkeiten zeigen darf. Bis bald.

Herzliche Grüße

Ihre Miss Ellie

Miss Ellies Reise Blog

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